250 Haikus von Louis Leclerc & Cleo Winterstein

Beruflich weltweit Woche für Woche unterwegs reflektieren Cleo Winterstein und Louis Leclerc in ihren Gedichten Fauna, Flora und Stimmung in Norddeutschland, ihrer Heimat, die ihnen nach einer herausfordernden Arbeitswoche Ruhe und Entspannung spendet. Der Wind, der um die Häuser fegt, der Sprühregen, der von allen Seiten gegen die Fenster und Hosenbeine schlägt und gepaart mit feinen Sandkörnern Peeling für das Gesicht schenkt, das Schreien der Möwen, das Sehnsucht nach Weite auslöst, der Duft von Tee mit Kluntjes und Sahne, der in die Nase steigt. All das bedeutet Heimat für sie. Cleo Wintersteins und Louis Leclercs Gedichte changieren zwischen norddeutscher Idylle und beruflichem Alltag, zwischen Ruhe und Hektik, zwischen Abreise und Ankommen. Für dieses Changieren haben die beiden in den Haikus die passende literar-ästhetische Ausdrucksform gefunden.


Groß sind die Alten

Currywurst ist Kraft

Marschall der Lüfte

Silbrig klingt dem Mann

Verlockendes Blatt

Rot-grün-gelbe Soss’

Oberquakenbrück

Überlebenskunst

Achtzehn, zwanzig, zwei

Dampfender Hafer

Kaffeebohnenmehl

Mulligatawny

Schwanenvaterruf

Kunst und Gemüse

Kapital will mehr

Zinseszinseszins

Hoch in den Lüften

Kleiner schwarzer Bart

Mühsam das Schreiben

Graue Fliesenwand

Kaum zu ertragen

Siegessäulenstau

Alster und Elbe

Korrelation

Damast und Diwan

Manchego duftet

Zusammenhangsfrei

Was immer ihr wollt

Rentner gut nähren

Kinderaugentraum

Backpapier knistert

Silbe lang, Wort kurz

Gel etwas zu nass

Rechtes Flussufer

Mehl und Milch und Ei

Bundestagsdiener

Land gottgegeben

Fünf Silben sind viel

Nicht in meinem Hof

Grüner Wendehals

Blau wie Enzian

Mit Schäferhunden

An einem Tage

Wenig ist ewig

Warum schweigen nur

Assoziativ

Wie die Kontouhr

Über zehn Sekunden

Wozu arbeiten

Fünf, sieben, und fünf

Ganzer Tag verbraucht

Nummerierungen

Winter ohne Glätte

Arno Dübel, frech

Möwen nisten hier

Was ist unser Ziel

Wer kennt den Sommer

Konzentration

Schlageraffensang

Augen wasserblau

Das Bächlein gurgelt

Wolkenwanderung

Auf grünem Grunde

Eine Biene sinnt

Kakaobäume

Krustenbraten schmeckt

Petunientopf

Schon wieder langsam

Wie kann man irren

Tiere im Kanon

Kolonie und Köln

Verleger verlegt

Seiten verschwimmen

Schneller nun, mach rasch

Rote Mauern hier

Wo beginnt Arbeit

Die Halbzeitpause

Sehen und blättern

Mimosen zieren

Tief unter dem Balkon

Staub auf der Appia

Parlament leeren

Tristan, die Olle

Wähnen fand Frieden

Die Schüssel klappert

Ceylon liefert Tee

Ministerial

Große kleine Kunst

Plunder inseriert

Wahlen gewonnen

Glaubst du an den Gott

Champagnerperlen

Die Liebe zum Hund

Altkleider spenden

Hausordnung achten

Coronalockdown

Brot nährt seinen Mann

Spülmaschinenblues

Brot ohne Butter

Knochenporzellan

Reisen heißt warten

Gäste bewirten

Weine auswählen

Honig ist cremig

Container klackern

Ermüdet vom Jetzt

Runenstein lesen

Leder sanft walken

Den Isthmus sehen

Der Kommissar weiß

Unfiltriertes Öl

Wieder ein Notruf

Anwendung verkauft

Wohnungsbau makeln

Echt unterfordert

Zeitung aufschlagen

Alpenschlucht rufen

Den Willen brechen

Versichert, verkauft

Eine kleine Welt

Operettenstaat

Auf Brettern schlittern

Wird etwas gemacht

Ohlsdorf oder Ohlsdorf

Er hat es besser

Mondschein sanfter Weg

Holz in purer Form

Platten sind Platten

Karl Darwins Erbe

Strümpfe ohne Loch

Edelweiß am Berg

Bier oder Selters

Bilder sind verkehrt

Geisterhand oh Graus

Peter oder Paul

Kuscheln mit Muscheln

Erschütterer Stein

Griechische Reise

Fang das helle Licht

Schreiende Kinder

Great are the old

Currywurst is power

Marshal of the skies

Silvery sounds to the man

Tempting leaf

Red-green-yellow Soss’

Oberquakenbrück

Survival skills

Eighteen, twenty, two

Steaming oats

Coffee bean flour

Mulligatawny

Swan Father Call

Art and vegetables

Capital wants more

Compound interest

High in the air

Small black beard

The arduous task of writing

Grey tile wall

Hardly bearable

Victory Column Jam

Alster and Elbe

Correlation

Damask and divan

Manchego smells

Incoherent

Whatever you want

Nourish pensioners well

Children’s eye dream

Baking paper crackles

Syllable long, word short

Gel a little too wet

Right bank of the river

Flour and milk and egg

Federal Parliamentary Servants

Land given to God

Five syllables are a lot

Not in my yard

Green Wryneck

Blue like gentian

With shepherd dogs

One day

Little is eternal

Why only silence

Associative

Like the account clock

Over ten seconds

What for work

Five, seven, and five

Whole day consumed

Numbering

Winter without slipperiness

Arno Dübel, cheeky

Gulls nest here

What is our goal

Who knows the summer

Concentration

Schlageraffensang

Eyes water blue

The brook gurgles

Cloud hike

On green ground

A bee ponders

Cocoa trees

Roast crust tastes good

Petunia pot

Slow again

How can one err

Animals in the canon

Colony and Cologne

Publisher relocated

Pages blur

Faster now, make it quick

Red walls here

Where work begins

The half-time break

View and browse

Mimosa adorn

Deep under the balcony

Dust on the Appian Way

Empty Parliament

Tristan, the old lady

Pondering found peace

The bowl rattles

Ceylon supplies tea

Ministerial

Great little art

Junk advertised

Elections won

Do you believe in the God

Champagne pearls

The love of dogs

Donate old clothes

Respect house rules

Coronalockdown

Bread feeds its man

Dishwasher blues

Bread without butter

Bone china

Travelling means waiting

Entertain guests

Select wines

Honey is creamy

Container clatter

Tired of the now

Read rune stone

Leather gentle waltzing

See the Isthmus

The Commissioner knows